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Cushioning: Der neue Dating-Trend und sein Beziehungseinfluss


Frau beim Cushioning

Online-Dating hat die Spielregeln der Romantik neu geschrieben. Nun taucht ein neuer Begriff auf, der in Beziehungen Wellen schlägt: Cushioning. Dieses Phänomen beleuchtet die komplexen Facetten moderner Liebesbeziehungen und wirft Fragen über Vertrauen, Bindung und Treue auf.

Was ist Cushioning?

Cushioning, abgeleitet vom englischen Wort für „Polsterung“, beschreibt eine Strategie beim Dating, bei der eine Person, obwohl sie sich in einer scheinbar monogamen Beziehung befindet, weitere romantische oder flirtende Kontakte unterhält. Diese „Reserveoptionen“ dienen dazu, den emotionalen Fall bei einer möglichen Trennung abzufedern.

Cushioning im Online-Dating

Im Zeitalter des Internets und der Dating-Apps hat Cushioning, oder das „Warmhalten“ von potenziellen Partnern, eine völlig neue Dimension erreicht. Die Praktik des Cushionings, wörtlich übersetzt als „sich mit einem Kissen polstern“, wir beim Online-Datings immer häufiger beobachtet. Es beschreibt das Phänomen, bei dem eine Person, obwohl sie bereits aktiv datet oder sogar in einer Beziehung ist, sich mit anderen Optionen – eben dem „Cushion“ oder Polster – umgibt. Diese Polster dienen als emotionale Sicherheitsnetze, falls die aktuelle Beziehung oder das aktuelle Date nicht den Erwartungen entspricht.

Beim Online-Datings, wo ein neues Date oft nur einen Swipe entfernt ist, wird das Konzept des Cushionings verstärkt. Die Nutzer haben Zugang zu einer nahezu unbegrenzten Anzahl an potenziellen Partnern, was es einfacher macht, jemanden im Hintergrund, quasi als „Kissen“, zu halten. Diese Personen werden warmgehalten, eine Praxis, die zwar emotionalen Komfort bietet, aber auch Fragen zur Treue und Ehrlichkeit in Beziehungen aufwirft.

Das Cushioning kann auch eine Form des emotionalen Fremdgehens darstellen. Während die Person, die cushiont, möglicherweise keine physische Affäre hat, investiert sie emotional und zeitlich in andere, was die primäre Beziehung untergraben kann. Dieses Verhalten kann besonders in Online-Dating-Kontexten subtil und leicht zu verbergen sein, da Nachrichten und Interaktionen auf digitalen Plattformen leicht vor dem Partner verborgen bleiben können.

Das Phänomen des Cushionings wirft wichtige Fragen über die Natur von Treue und Engagement im digitalen Zeitalter auf. Während einige argumentieren mögen, dass das Warmhalten von Optionen einfach ein Teil der modernen Dating-Kultur ist, betrachten andere es als klaren Vertrauensbruch. In jedem Fall ist es ein Zeichen dafür, dass Online-Dating das Spektrum dessen, was als akzeptables Verhalten in romantischen Beziehungen gilt, erweitert hat.

Ablauf und Methoden von Cushioning

Cushioning beginnt oft auf eine scheinbar harmlose Weise. Es startet mit einfachen Nachrichten, die oft durch Online-Dating-Plattformen oder soziale Medien initiiert werden. Diese Nachrichten scheinen zu Beginn unverfänglich zu sein, doch sie legen den Grundstein für ein Verhalten, das letztendlich die Grenzen von Treue und Vertrauen in Frage stellt.

Der Übergang von harmlosen Nachrichten zu regelmäßigen, intensiveren Gesprächen ist ein schleichender Prozess. Was als freundschaftlicher Austausch beginnt, kann sich schnell zu Flirts und emotional beladenen Konversationen entwickeln. In diesem Stadium wird die Dynamik des Cushionings deutlich: Während die betreffende Person vielleicht weiterhin in einer Beziehung ist und aktiv datet, baut sie gleichzeitig eine emotionale Verbindung mit jemand anderem auf. Diese Verbindungen können dann zu geheimen Treffen führen, was dem klassischen Verständnis von Fremdgehen nahekommen kann, auch wenn es nicht unbedingt physisch wird.

Die Personen, die cushionen, nutzen oft die Anonymität und Leichtigkeit des Online-Datings, um diese parallelen Beziehungen aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Sie befinden sich in einer ständigen Grauzone, in der sie zwar nicht physisch fremdgehen, aber emotional investieren und Energie in Beziehungen außerhalb ihrer Hauptbeziehung stecken. Diese Taktik des Warmhaltens anderer Personen dient als Sicherheitsnetz – ein Weg, sich gegen die potenziellen emotionalen Risiken einer monogamen Beziehung zu schützen.

Der Kern liegt in der Doppelspieligkeit: Die Person führt ein scheinbar normales Dating-Leben, während sie gleichzeitig im Hintergrund emotionale Beziehungen pflegt, die das Potenzial haben, die Hauptbeziehung zu gefährden. Diese Methode erzeugt eine emotionale Distanz und ein Sicherheitsgefühl, indem sie das Risiko des Alleinseins reduziert und gleichzeitig das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Bestätigung stillt. Cushioning offenbart eine komplexe Dynamik innerhalb moderner Beziehungsstrukturen, in der die Grenzen zwischen Treue, Vertrauen und Verrat zunehmend verwischt werden.

Online Dating
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Cushioning als Strategie der Risikovermeidung

Viele Menschen betreiben Cushioning, weil sie Angst vor Einsamkeit und Verletzlichkeit haben. Indem sie mehrere Optionen offenhalten, glauben sie, sich gegen Herzschmerz zu schützen.

Anzeichen und Warnsignale von Cushioning

Warnsignale können geheime Kommunikationen, verminderter emotionaler Einsatz und Ausflüchte bei gemeinsamen Plänen sein. Diese Zeichen weisen darauf hin, dass der Partner möglicherweise Rückzugswege offen hält.

Gründe für Cushioning

Die Gründe für Cushioning sind vielschichtig. Diese reichen von persönlichen Unsicherheiten bis hin zu tiefer liegenden psychologischen Mustern.

Bindungsängste
Einer der Hauptgründe  sind Bindungsängste. Personen mit Bindungsängsten haben oft Schwierigkeiten, sich in einer Beziehung vollständig zu öffnen und verletzlich zu zeigen. Die Angst, verlassen zu werden oder zu nahe an jemanden heranzukommen, führt dazu, dass sie emotionale Distanz wahren, indem sie alternative Beziehungen als „Backup“ pflegen. Es wird somit zu einer Art Selbstschutzmechanismus, der es ihnen ermöglicht, Kontrolle über ihre emotionale Sicherheit zu behalten.

Unsicherheit in der aktuellen Beziehung
Ein weiterer Grund kann Unsicherheit in der aktuellen Beziehung sein. Wenn sich eine Person in ihrer Hauptbeziehung unsicher fühlt – sei es aufgrund von Kommunikationsproblemen, fehlender emotionaler Erfüllung oder Zweifeln an der Langfristigkeit der Beziehung – kann sie zu Cushioning neigen, um eine gewisse Form von Sicherheit oder Bestätigung von außen zu suchen.

Mangel an Selbstbewusstsein
Ein geringes Selbstbewusstsein spielt ebenfalls eine bedeutende Rolle. Personen, die an ihrem eigenen Wert zweifeln, könnten Cushioning nutzen, um ständige Bestätigung und Anerkennung zu erhalten. Indem sie mehrere romantische oder flirtende Kontakte unterhalten, stärken sie ihr Selbstbild und Selbstwertgefühl durch die Aufmerksamkeit und Zuneigung verschiedener Personen.

Symptom tiefer liegender Bindungsängste
Experten betrachten es oft als Symptom tiefer liegender Bindungsängste. Diese Ängste sind häufig in früheren Lebenserfahrungen verwurzelt, wie in der Kindheit erlebten Verlusten oder Enttäuschungen. Personen mit solchen Hintergründen finden es herausfordernd, stabile und sichere Bindungen in Beziehungen einzugehen. Sie neigen dazu, Distanz zu wahren, um sich vor potenziellem emotionalen Schmerz zu schützen.

Cushioning ist somit ein komplexes Verhalten, das aus verschiedenen psychologischen und emotionalen Gründen entsteht. Es ist oft ein Zeichen dafür, dass eine Person mit inneren Konflikten oder ungelösten emotionalen Themen zu kämpfen hat. 

Cushioning
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Umgang mit Cushioning

Wenn man Cushioning bei seinem Partner vermutet, ist es wichtig, offen und ehrlich zu kommunizieren. Ein klärendes Gespräch kann Missverständnisse aus dem Weg räumen und zur Stärkung der Beziehung beitragen.

Cushioning und Beziehungstreue

Die Frage, ob Cushioning bereits als Betrug anzusehen ist, hängt von den individuellen Beziehungsnormen ab. Für einige ist bereits emotionale Untreue ein Vertrauensbruch, während andere eine flexiblere Sichtweise haben.

Cushioning und emotionale Untreue

Cushioning kann als Form emotionaler Untreue angesehen werden, da es das Vertrauen und die Intimität einer Beziehung untergräbt. Diese Art der Untreue kann langfristige Auswirkungen auf das Vertrauen und die Bindungsfähigkeit in Beziehungen haben.

Bindungsverhalten und Cushioning

Die Neigung zu Cushioning kann auch auf bestimmte Bindungsstile zurückzuführen sein. Personen mit unsicher-vermeidendem Bindungsstil neigen beispielsweise eher zu diesem Verhalten als solche mit einem sicheren Bindungsstil.

Schlussfolgerung

Cushioning ist ein komplexes Phänomen, das die Grenzen und die Dynamik moderner Beziehungen herausfordert. Es unterstreicht die Notwendigkeit offener Kommunikation und Selbstreflexion in Liebesbeziehungen. Wie sich diese Bindungsangst langfristig auf die Landschaft der romantischen Beziehungen auswirken wird, bleibt abzuwarten. Eines ist jedoch klar: Da die Möglichkeiten heutzutage nur einen Swipe entfernt sind, ist die Bedeutung von Vertrauen und Verbindlichkeit relevanter denn je.

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